Die Stile

Capoeira wird in zwei wesentliche Hauptformen unterteilt:
 
Capoeira Angola
Capoeira Angola ist die ältere der beiden Hauptformen des brasilianischen Kampftanzes und gilt auch als die ursprüngliche Version der Capoeira. Früher wurde es nur als Capoeira bezeichnet. Nach dem Erscheinen von Capoeira Regional benannte man es zur Unterscheidung in Capoeira Angola um. So sollte verdeutlicht werden, dass es sich hierbei um das ursprüngliche Capoeira handelt (die brasilianischen Sklaven, die Capoeira entwickeltet hatten, stammten zum Großteil aus Angola).
Als Gründer der heutigen Capoeira Angola wird Mestre Pastinha (Vicente Ferreira Pastinha) betrachtet, der nach der Aufhebung des Capoeira-Verbots 1937 eine der ersten Capoeira Angola-Schulen eröffnete.
Im Spiel wird bei Capoeira Angola großer Wert auf die Wahrnehmung des Gegenübers gelegt, daher wird langsam und konzentriert gespielt. Dabei ist es wichtig, durch ein schönes Spiel mit fließenden Bewegungen, Schlägen und Ausweichbewegungen ein harmonisches Zusammenspiel zu schaffen.
Die Spieler in der Roda wirken mit ihren langsamen Bewegungen dabei auf den ersten Blick oft unkoordiniert und erwecken den Anschein von Trägheit. Dieser Eindruck wird sofort revidiert, sobald blitzschnelle Attacken aus einer Bewegungssequenz folgen.
Capoeira Angola ist dafür bekannt, dass man mit Schlitzohrigkeit (Malicia) und Täuschungen (Fintas) versucht, den Gegner zu überlisten.
Bei Capoeira Angola wird außerdem viel Wert auf Stil gelegt. So ist es nicht selten, dass in den Rodas in Bahia sogar im Anzug und Hut gespielt wird! Trainiert wird in der Regel jedoch in einer schwarzen Hose und einem gelben T-Shirt, dazu wird normalerweise ein Gürtel getragen. Oftmals werden flache Schuhe getragen, niemals wird aber oberkörperfrei gespielt.
Die Lieder bei Capoeira Angola sind häufig sehr wehmütig und werden ruhig und langsam gesungen. Meistens erzählen die Lieder Geschichten aus der Sklavenzeit.
 
Capoeira Regional (bestehend aus Sao Bento Grande und Benguela)
Capoeira Regional ist die impulsivere und jüngere Form der beiden Capoeira-Arten. Gründer dieser Form ist Mestre Bimba (Manuel dos Reis Machado), der dem damaligen Bild der Capoeira (Straßenkampf) mit ablehnender Haltung gegenüberstand. Daher war sein Gedanke, eine moderne und anerkannte Kampfkunst zu entwickeln.
Er bereicherte Capoeira durch Elemente aus Jiu Jitsu und Batuque und gründete im Jahr 1930, noch während des Capoeira-Verbots, die erste offizielle Capoeira-Schule. Davor lernte man Capoeira nur auf den Straßen, und während der Sklavenzeit auf den Feldern und Märkten, durch einfaches zuschauen.
Capoeira Regional selbst wird in zwei Arten unterteilt: Sao Bento Grande und Benguela. Diese beiden Arten werden üblicherweise gemeinsam an den Capoeira Regional-Schulen unterrichtet. Ab einer gewissen Graduierung (Kordelfarbe) wird sogar Capoeira Angola gelehrt. An einer Capoeira Angola Schule ist es jedoch nicht möglich, auch Capoeira Regional zu erlernen.

Sao Bento Grande zeichnet sich durch seine schnellere Technik, den hohen und direkten Tritten und Schlägen, sowie akrobatischen Einlagen aus. Auch das Umwerfen des Partners ist erlaubt.
Die Absicht, andere Spieler zu beeinträchtigen oder gar zu verletzen ist bei nahezu allen Capoeira Verbänden und Vereinen nicht erwünscht!
Musikalisch wird das Spiel von einem Chor-Gesang begleitet, jedoch anders als bei Capoeira Angola wird hier auf lange melancholische Strophen und Melodien verzichtet. Stattdessen soll die lautere Musik die Spieler beim Sao Bento Grande anheizen.

Benguela ist dagegen eine etwas langsamere Art der Sao Bento Grande, die verstärkt Elemente der Capoeira Angola beinhaltet. So kommt es, dass Benguela recht bodennah gespielt wird, wie bei Capoeira Angola üblich. Die Tritte, Schläge und Akrobatik, sowie der Chor-Gesang bei Benguela, bleiben jedoch Eigenschaften aus der Sao Bento Grande.
Optisch unterscheiden sich die Regional-Spieler recht stark von den bunten und auf Stil achtenden Angoleiros. Die Kleidungsvorschrift der Regional-Spieler erinnert dabei eher an die der asiatischen Kampfsportarten. Weiße Hosen und weiße T-Shirts (meistens mit dem jeweiligen Vereinsaufdruck), sowie farbige Kordeln (Cordas) sind ihre Erkennungsmerkmale. Capoeira Regional wird mit nackten Füßen (und teilweise auch nacktem Oberkörper) ausgeübt.