Mestres

Im wesentlichen haben zwei Mestres die Capoeira, wie sie heute existiert, geprägt:
 
Mestre Bimba
Mestre Bimba
Manuel dos Reis Machado, auch Mestre Bimba genannt, war ein brasilianischer Capoeirista und gilt als Begründer der heutigen Capoeira Regional.

Geboren wurde er am 23.11.1900 in Salvador de Bahia. Damals erhielt er auch bereits seinen Spitznamen, Bimba. Seiner Mutter (Maria Martinha do Bomfim) war damals überzeugt, ein Mädchen auf die Welt zu bringen. Die Hebamme jedoch wettete gegen die Überzeugung der Mutter. Als das Kind zur Welt kam und man erkennen konnte, dass es ein Junge war, rief die Hebamme „Bimba“, wie in Bahia das männliche Geschlechtsorgan genannt wird.

Von seinem Vater (Luiz Cândido Machado), einem Meister dieser Kunst, erlernte der damals noch junge Manuel (Mestre Bimba) den wilden und gewalttätigen afrikanischen Kampf, genannt Batuque. Hier ist es das Ziel, den Gegner allein mit Hilfe der Beine zu Fall zu bringen.

Im Alter von 12 Jahren kam Mestre Bimba dann das erste Mal mit Capoeira in Kontakt und erlernte als Schüler von Bentinho, ein Kapitän der Schifffahrtsgesellschaft von Bahia, vier Jahre lang den damaligen Kampftanz. Danach begann er selbst zehn Jahre lang den damaligen Capoeira-Stil bei der Hafenverwaltung in Bahia zu unterrichten.

Mit der Zeit entwickelte sich bei Mestre Bimba jedoch der Eindruck, dass sich die Capoeira verändern müsste. Seiner Meinung nach bot Capoeira zu wenig Kampfhandlung und diente lediglich noch für Vorführungen auf Plätzen und Märkten. Dies weckte in ihm auch die Besorgnis, dass Capoeira im Schatten anderen Kampfkünste, wie z. B. Judo oder Karate, aussterben könnte. Daher verknüpfte er Capoeira mit Batuque, um mehr Agilität in die Bewegungen zu bringen und somit ein motiviertes, dynamisches und akrobatisches Spiel zu schaffen.

Zur damaligen Zeit, in der Mestre Bimba aufgewachsen ist, war Capoeira ein geächteter Straßenkampf und das Ausüben war gesetzlich verboten. Wer Capoeira dennoch anwendete wurde gejagt und oftmals sogar sehr schwer bestraft! Somit wurde Capoeira auch nicht an Schulen unterrichtet. Mestre Bimba umging dieses Verbot jedoch und unterrichtete seine „neue“ Capoeira unter dem Decknamen „Luta Regional Baiana“ (Regionalkampf von Bahia) in seinem Studio. Das erste Capoeira-Studio gründete er somit im Jahre 1932 in Bahia.

Zu dieser Zeit durchlief Brasilien auch eine Phase vieler Änderungen auf politischer, kultureller und sozialer Ebene. Durch die Modernisierung war es Mestre Bimba schließlich möglich, seinen Capoeira-Stil publik zu machen und so gab er im Jahr 1936 seine erste öffentliche Vorstellung. Ein Jahr darauf wurde er eingeladen im Regierungspalast, vor diversen wichtigen Persönlichkeiten aus Staat, Verwaltung und Gesellschaft, aufzutreten. Mestre Bimba überzeugte seine Zuschauer von seiner Capoeira Regional, so dass Capoeira letztendlich auch zum Nationalsport Brasiliens ernannt wurde. Durch diese Ereignisse wurde sogar Mestre Bimbas Capoeira-Schule am 23.06.1937, als erste in Brasilien, gesetzlich anerkannt.

Im Jahr 1942 gründete er seine zweite Capoeira-Schule (Academia) in Terreiro de Jesus, die auch heute noch unter der Leitung seines damaligen Schülers, Mestre Vermelho (heute Mestre Bamba), steht.

Mestre Bimba unterrichtete viele Schüler, auch zahlreiche Persönlichkeiten des politischen und sozialen Lebens in Bahia, sofern sie seine Aufnahmeprüfungen bestanden. Er ernannte in seiner gesamten Capoeirazeit jedoch keinen einzigen Mestre.

1972 nahm Mestre Bimba an seiner letzten „Batizado“ teil und verstarb am 15.02.1974 an einer Gehirnblutung in einem Krankenhaus in Goiânia. Verbittert von falschen Versprechungen der Regierung, Mangel an Unterstützung und finanziellen Problemen war es ihm leider nicht möglich mitzuerleben, wie sich seine Capoeira entwickelt hat und heute respektiert wird.
 
Mestre Pastinha
Mestre Pastinha
"Mein Freund, ich war schon von der Natur bestimmt, aus Asche geschaffen, Capoeirista zu werden. Ich lernte Willenskraft mit Freude, nicht mit Traurigkeit."

Vicente Ferreira Pastinha, geboren am 15. April 1889, Sohn eines Spaniers und einer Mestize schwarzafrikanischer Abstammung. Sein Vater war ein Händler im historischen Zentrum von Salvador, seine Mutter lebte vom Verkauf von "aracajé" und dem waschen für verschiedene Familien. Als kleiner Junge lernte Pastinha die Capoeirakunst kennen. Hierzu gibt es eine kleine Geschichte: ein älterer und stärkerer Junge aus der Nachbarschaft hatte ihn häufig verprügelt. Eines Tages sah Benedito dieses und bat Pastinha, zu seinem Haus zu kommen, wo er ihm einige Dinge beibringen werde. Er schärfte ihm ein, seinen Gegner nicht zu provozieren, sondern seine Kampfkenntnisse so gut als möglich zu verbergen. Beim nächsten Zusammentreffen mit dem Jungen soll Pastinha ihn so schnell besiegt haben, dass der ältere Junge zu seinem Bewunderer wurde.

Während seiner Jugend besuchte er morgens Malkurse an der Kunstschule Liceu de Artes e Ofício; während der Nachmittage spielte er mit Papierdrachen und lernte Capoeira. Er führte sein Training mit Benedito drei Jahre fort. Da sein Vater mit seinen Capoeirakämpfen nicht einverstanden war, schickte er ihn auf eine Marineakademie. Er konnte deshalb sein Training nicht weiterführen, brachte aber auf der Schule seinen Freunden Capoeira bei. Im Alter von 21 Jahren verließ er die Schule, um ein hauptberuflich Maler zu werden. In seiner Freizeit trainierte er im Geheimen weiterhin Capoeira, was zu dieser Zeit in Brasilien immer noch illegal war.

Mestre Pastinha nahm 1941, einer Einladung von Aberrê, seinem früheren Schüler, folgend, an einer sonntäglichen Roda auf der "Ladeira do Gengibirra" im Stadtteil "Liberdade" teil. Hier waren die besten Meister anzutreffen.

Aberrê war schon lange berühmt in diesen Rodas und nachdem Pastinha einen Nachmittag dort verbracht hatte, fragte ihn einer der besten Meister von Bahia, Mestre Amorzinho, ob er nicht Capoeira Angola unterrichten wolle. Als Ergebnis gründete Pastinha 1942 die erste Capoeira Angola-Schule, das „Centro Esportivo de Capoeira Angola“ im Stadtteil Pelourinho. Seine Schüler trugen schwarze Hosen und gelbe T-Shirts, die gleichen Farben die der "Ypiranga Futebol Clube" benutzte, Pastinha´s Lieblingsclub.

Er nahm mit der brasilianischen Delegation am „First International Festival de Artes Negras“ in Dakar (Senegal), teil. An diesem Festival waren auch Mestre João Grande, Mestre Gato Preto, Mestre Gildo Alfinete, Mestre Roberto Satanás und Camafeu de Oxossi dabei.

Pastinha ist viel durch die Welt gereist, um Brasilien durch die Capoeira zu repräsentieren. Er nutzte alle seine Talente um sich für sie einzusetzen. Er schrieb ein Buch. Er malte und schrieb Poesie, um Fundamente der Verteidigung und des Angriffes zu zeigen. Er organisierte Präsentationen für alle, die die Schönheit der Capoeira noch nicht kannten. Er regte Männer, Kinder und sogar Ehefrauen seiner Schüler zum Capoeiraunterricht an, da er glaubte, dass diese Kunst für ALLE geeignet sei.

Als er 84 Jahre alt war, wurde sein Sportzentrum von der Verwaltung geschlossen und er musste in einem kleinen Zimmer mit seiner zweiten Ehefrau, Dona Maria Romélia, oder Dona Nice, wie sie zärtlich genannt wurde, wohnen. Sie lebten nur vom Verkauf von "aracajé", die seine Frau anfertigte und von der Hilfe seiner Freunde.

Am 12. April 1981 trat er zum letzten Mal in der Roda an. Am Ende wurde er in einem Obdachlosenheim in Salvador einquartiert. An einem Freitag, am 13. November 1981, starb Pastinha mit 92 Jahren als gebrochener Mann in Bitterkeit über seine Behandlung.

Nur zwei seiner besten Schüler sind noch übrig, Mestre João Grande und Mestre João Pequeno, die weiterhin Pastinhas Erbe in der Welt verbreiten.

"Capoeira ist unter allen Kampfkünsten am beliebtesten, Gott zeichnete sie als pur und schön."
 
Professor Jorge Linguado

Jorge Linguado war der erste Lehrer der beiden Brüder Edivanilson Amaro (Toupeira) und José Elenildo da Silva (Fominha), heute Contra Mestre und Professor. Er unterrichtete sie in der Academia Arte Viva in Boa Viagem, einem Stadtteil von Recife.

Wie für nahezu jeden Capoeirista, so auch für die zwei Brüder, hat der erste Lehrer einen prägenden Einfluss auf die weitere Laufbahn der Person in diesem Sport: er unterrichtet die Grundlagen in der Bewegung, im Spiel, in der Musik, und entfacht die Begeisterung für die Elemente dieser reichhaltigen Kultur!

Im Falle von Toupeira und Fominha haben diese ihren ersten Lehrer früh verloren, als dieser auf einer Reise nach Brasilia überraschend verstarb. Ihm zu Ehren benannten sie 2007 ihre erste eigene Gruppe Linguado Capoeira München.