Die Geschichte

Seinen Ursprung hat Capoeira in der Kolonialisierung Brasiliens im 16. Jahrhundert durch die Portugiesen. Denn diese griffen, um den natürlichen Reichtum des neuen Landes wirtschaftlich zu nutzen, auf Sklaven zurück.
Zu Beginn wurden die dort lebende indigene Bevölkerung versklavt, jedoch starben viele an europäischen Krankheiten, gegen die sie nicht immun waren oder begingen sogar Selbstmord als Zeichen ihres Widerstandes. Rasch dezimierte sich deren Anzahl und brachte die Portugiesen vor ein Problem, für das diese aber schnell eine Lösung fanden: die Versklavung afrikanischer Völker.
Die afrikanischen Sklaven, gegen ihren Willen gefangen und verschleppt, verloren nie die Hoffnung auf Freiheit und hielten an ihrer Kultur fest. So kann man den Ursprung von Capoeira auf den afrikanischen NíGolo ("Zebratanz") und anderen afrikanischen Tänze und Kulte zurückführen.

Es gibt viele Überlieferungen und Legenden zur Entstehung von Capoeira. Seine Existenz wurde jedoch geschichtlich erstmals im 18. Jahrhundert belegt. Capoeira wurde zu dieser Zeit als Tanz, sowie als gefährlicher Kampf gegen Sklavenhalter und mit Schusswaffen bewaffneten Sklavenjägern eingesetzt. Gelehrt und weiterentwickelt wurde Capoeira damals, als Tanz getarnt, auf den Sklavenmärkten oder auf den Feldern der Sklavenhalter. Capoeira-Hochburgen waren zur damaligen Zeit auch die Quilombos, Ansiedlungen geflohener Sklaven und somit Symbole des Kampfes für die Freiheit, die fernab der portugiesischen Länderein versteckt lagen.

Das nächste große Kapitel von Capoeira fand im 19. Jahrhundert statt. Nachdem die Sklaverei abgeschafft wurde, entstand eine hohe Arbeitslosigkeit und viele ehemalige Sklaven standen ohne Arbeit, Essen oder Obdach da. Um zu überleben fingen sie an, mit Hilfe von Capoeira zu plündern und zu rauben. Diese Form von Capoeira wurde besonders in den Hafenstädten Rio de Janeiro, Recife und Salvador da Bahia angewandt. Capoeira entwickelte sich zu dieser Zeit zu einer Art Straßenkampf und wurde schließlich verboten und mit Verbannung oder Gefängnis bestraft.

Dank Mestre Bimba (Manoel dos Reis Machado) und der Einführung von Capoeira Regional, einer Mischform bestehend aus dem Straßenkampf-Capoeira und Elementen aus asiatischen Kampfsportarten, erhielt Capoeira wieder Ansehen und wurde schließlich 1937 durch den nationalistischen Diktator Getúlio Vargas, der Capoeira zu einem nationalen Sport etablieren wollte, wieder legalisiert.
Zur selben Zeit unterrichtete Mestre Pastinha (Vicente Ferreira Pastinha) Capoeira Angola, um so der "Mischform" des Capoeira Regional vorzubeugen und die Reinheit der ursprünglichen Capoeira-Form zu wahren.
Dadurch begann der soziokulturelle Aufstieg von Capoeira und wurde zu einem der wichtigsten kulturellen Ausdrucksformen Brasiliens.
Capoeira überlebte die Sklaverei und ist somit auch ein Zeichen des Widerstandes und des Überlebenskampfes.